Reisebericht Santorin April 2017

Wanderreise auf der Vulkaninsel Santorin – ein Reisebericht von Tobias Schorr

Geotourismus & Wandern

Seit 1996 führe ich Reisegruppen auf die faszinierende Vulkaninsel Santorin, und dennoch ist jede Reise ein neues, ganz besonderes Erlebnis. Zum Glück wird Reiseleitung für mich niemals zur Routine!

In diesem Jahr begleiteten mich sieben Gäste – eine kleine, multinationale Gruppe, darunter auch zwei sehr sympathische Teilnehmer aus den USA. Gemeinsam mit meinem Freund Michael war ich bereits einige Tage früher auf der Insel, um alles vorzubereiten. Doch der Beginn stand zunächst unter keinem guten Stern: Am 19. April änderte sich das Wetter schlagartig, und wir befürchteten schon, dass unsere Wanderreise auf Santorin vom Regen begleitet sein würde.

Bis zur Ankunft unserer Gäste am 22. April blieb es spannend – ein echtes kleines Abenteuer! Doch pünktlich zur ersten Wanderung zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite: Wir genossen strahlenden Sonnenschein, klare Sicht und das vielleicht schönste Frühlingswetter, das ich je auf meinen Reisen erleben durfte – und das bis zum letzten Tag am 29. April.

Wie auch in den vergangenen Jahren waren wir im beliebten Hotel Anemomilos meines Freundes Spyros Kokkalis in Oia untergebracht. Besonders gefällt mir, dass Spyros regelmäßig renoviert und modernisiert. Auch diesmal war ich beeindruckt, wie geschmackvoll und komfortabel die Zimmer gestaltet wurden.

Doch im Anemomilos sind die Zimmer fast „Nebensache“ – das wahre Highlight sind die köstlichen, hausgemachten griechischen Spezialitäten, die täglich frisch von der Familie Kokkalis in der Taverne Anemomilos zubereitet werden. Ob Moussaka, frischer Fisch oder Santoriner Wein – hier schmeckt man Griechenland in seiner besten Form!

Ich hoffe sehr, noch viele Jahre Reisegäste nach Santorin begleiten zu dürfen – um gemeinsam die Magie dieser einzigartigen Vulkaninsel zu erleben!

Tag 1: Besuch des archäologischen Museums und Wanderung von Thira nach Ia

Tag 1 – Vom Archäologischen Museum in Thira zur Wanderung nach Ia (Oia)

Ein erlebnisreicher Start unserer Wanderreise auf Santorin

Am 23. April begann unsere erste Wanderetappe auf Santorin. Früh am Morgen fuhren wir mit dem öffentlichen Bus direkt ab Hotel Anemomilos nach Thira (Fira), der lebhaften Hauptstadt der Insel. Schon die Busfahrt bot wunderschöne Ausblicke über die Weinlandschaft und das Ägäische Meer.

Unser erster Höhepunkt war der Besuch des Archäologischen Museums von Thira, das einen faszinierenden Einblick in die minoische Kultur und die Vorgeschichte der Insel Santorin bietet. Besonders beeindruckend sind die Funde aus der bronzezeitlichen Stadt Akrotiri, darunter elegante Töpferwaren, Werkzeuge und ein kleiner Hausgrill aus Ton, der auch heute noch so gefertigt werden könnte. Ebenso spannend ist der Bereich über die Handelsbeziehungen der prähistorischen Mittelmeerwelt – mit Keramik aus Kreta, Zypern, Ägypten und Kleinasien.

Ein besonderes Highlight sind natürlich die berühmten Wandmalereien aus Akrotiri, die das Alltagsleben und die Kunst der Minoer eindrucksvoll zeigen. Zum Abschluss der Ausstellung bewunderten wir den kleinen goldenen Widder, ein Meisterwerk der minoischen Goldschmiedekunst.

Nach dem Museumsbesuch schlenderten wir durch die Altstadt von Thira, vorbei an unzähligen Souvenirgeschäften, Boutiquen und Cafés. Glücklicherweise lagen an diesem Tag keine Kreuzfahrtschiffe im Hafen – so konnten wir die Stadt in aller Ruhe genießen. Am Nomikos-Konferenzzentrum machten wir eine kleine Pause mit herrlichem Blick über die Kaldera von Santorin und tranken einen typisch griechischen Frappé.

Eines unserer ersten Fotomotive war die Kirche Agios Georgios, die an diesem Tag sogar ihren Namenstag feierte. Hier hatte sich vor einigen Jahren ein kleines „Wunder“ ereignet: Ein Arbeiter stürzte in die Tiefe – und überlebte fast unverletzt.

Der Weg führte uns weiter entlang der berühmten Kaldera-Wanderroute von Fira nach Oia, vorbei an exklusiven Luxushotels, deren Preise bis zu 1.200 € pro Nacht betragen! Ab Imerovigli ließen wir den Trubel hinter uns und wanderten durch die ruhigere Landschaft, in der sich Natur und Vulkanlandschaft wieder zeigen.

Am kleinen Vulkan Profitis Ilias machten wir eine Fotopause mit fantastischem Blick über die Kraterlandschaft und das Meer. Danach ging es bergab zum gemütlichen Kaldera-Café, wo wir uns stärkten.

Kurz vor dem Erreichen des weltberühmten Dorfes Ia (Oia) liegt die malerische Kapelle Zoodochos Pigis – ein absoluter Geheimtipp für Fotografen! Von hier aus hat man den wohl besten Blick auf Oia und den schönsten Sonnenuntergang Santorins. Weit eindrucksvoller, als sich mit den Menschenmassen im Dorf drängen zu lassen, nur um die Sonne über dem Meer untergehen zu sehen.

Ein perfekter erster Tag unserer Wanderreise auf Santorin – voller Geschichte, Natur, Kultur und unvergesslicher Ausblicke!

Tag 2: Das Dorf Pyrgos und die Wanderung nach Emporion

Tag 2 – Das Dorf Pyrgos und die Wanderung nach Emporio

Auf historischen Pfaden durch das Herz Santorins

Das Dorf Pyrgos gehört zu den schönsten und ursprünglichsten Orten auf Santorin. Es liegt malerisch auf einem Hügel im Zentrum der Insel und bietet ein unvergleichliches Panorama über die gesamte Vulkanlandschaft. Wer Santorin wirklich kennenlernen möchte, sollte Pyrgos unbedingt besuchen!

Gerade für Fotografen ist dieser Ort ein Paradies: enge, gewundene Gassen, alte Höfe, kunstvoll verzierte Kirchen und traditionelle Architektur bieten an jeder Ecke neue Motive. Besonders reizvoll ist der Aufstieg zum Kastell von Pyrgos, einer mittelalterlichen Festung, die einst den Bewohnern Schutz vor Piraten bot. Heute befindet sich dort ein kleines Café mit einer atemberaubenden Aussicht über Santorin und die Nachbarinseln. Bei unserem Besuch war die Fernsicht besonders klar – man konnte sogar Ios, Anafi und Thirasia erkennen.

Nachdem wir das Dorf ausgiebig erkundet hatten, setzten wir unsere Wanderung in Richtung Emporio fort. Der Weg führte uns zunächst bergauf in Richtung des höchsten Gipfels der Insel, bevor wir nach rechts in einen kleinen Pfad einbogen, der an einer alten Schreinerei vorbeiführt. Die Markierung war etwas unscheinbar, doch der schmale Weg entlang der Steinmauer entpuppte sich als eine der schönsten Etappen: Ein wahres Meer aus Färberkamille, Mohn und Wildblumen verwandelte den Hang in ein farbenfrohes Frühlingsparadies – ein Traum für Fotografen und Naturfreunde!

Der Pfad war stellenweise steinig und forderte etwas Trittsicherheit, doch alle Teilnehmer meisterten ihn souverän. Bald öffnete sich der Blick ins Tal von Emporio, und wir erreichten den Aufstieg zum mittelalterlichen Kastell, das das gesamte historische Dorf umschließt. Diese Festungsanlage diente einst als Schutz vor Piratenangriffen. Ihre engen, labyrinthartigen Gassen sind so angelegt, dass sich Eindringlinge darin verirren sollten – ein geniales Verteidigungssystem, das bis heute beeindruckt.

Heute sind viele der alten Häuser liebevoll restauriert und werden als stilvolle Ferienwohnungen oder Galerien genutzt. Nach unserer spannenden Erkundungstour durch das Kastell von Emporio stärkten wir uns in einem gemütlichen Café bei Kaffee und Kuchen. Anschließend holte uns Thomas mit seinem kleinen Charterbus ab und brachte uns zurück nach Ia (Oia) – erfüllt von Eindrücken, Geschichte und unvergesslichen Bildern.

Tag 3: Die Ausgrabung des bronzezeitlichen "Pompeji" bei Akrotiri

Tag 3 – Die minoische Katastrophe: Der Vulkanausbruch von Santorin und die Ausgrabungen von Akrotiri

Eine Zeitreise in die Urgeschichte des Ägäischen Raums

Etwa um 1627 v. Chr. ereignete sich auf der Insel Santorin (Thera) einer der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte. Die Katastrophe übertraf alles, was Menschen bis dahin an Naturereignissen erlebt hatten. Schon damals existierte die heutige Kaldera, in deren Zentrum – wie heute – kleinere Inseln lagen. Auf diesen Inseln befanden sich vermutlich minoische Heiligtümer.

Erdbeben kündigten den Ausbruch an, Gebäude stürzten ein, und bald lag der Geruch von Schwefel über der Insel. Das Meer färbte sich gelbgrün, ein sicheres Zeichen, dass unterseeische Gasblasen und heiße Quellen aktiv wurden. Für die Minoer, die die Natur als göttlich empfanden, waren diese Ereignisse heilige Warnzeichen.

Dann öffneten sich Risse in der Erde, Dampf und Felsbrocken schossen in die Luft. Kurz darauf entstand ein neuer Krater, und die Eruptionen wurden immer stärker. Der einst sichere Naturhafen füllte sich mit glühenden Gesteinsbrocken; Schiffe wurden zerstört, und Erdbeben verwüsteten die Dörfer. Die Menschen versuchten, ihre Häuser zu reparieren und Wertgegenstände zu sichern – doch der Vulkan ließ ihnen keine Ruhe.

Schließlich versuchten viele, nach Kreta zu fliehen – doch das Meer war längst Teil der Katastrophe. Der Druck des Magmas sprengte die Kraterwände, und Magma und Wasser trafen aufeinander – eine der gefährlichsten Kombinationen der Natur.

In einer gewaltigen Dampfwolke explodierte der Vulkan. Eine bis zu 20 Kilometer hohe Eruptionssäule aus Asche, Staub und Gasen stieg in den Himmel, ehe sie zusammenbrach und pyroklastische Ströme mit Temperaturen von bis zu 400°C über das Meer raste. Diese Glutlawinen bewegten sich mit über 200 km/h und zerstörten alles im Umkreis von bis zu 100 Kilometern.
Ob es Minoern gelang, mit Booten zu fliehen, ist ungewiss – ihre Spuren verlieren sich. Bis heute hat man keine Überreste jener Menschen gefunden, die einst auf Thera lebten.

Der Ausbruch bedeckte die Insel mit bis zu 60 Metern Bimsstein und vulkanischer Asche und konservierte damit die minoischen Städte für die Ewigkeit.

Besuch der Ausgrabung von Akrotiri – das „Pompeji der Ägäis“

Nach dieser Einführung in die Geschichte besuchten wir die weltberühmte Ausgrabungsstätte von Akrotiri, die oft als das „Pompeji der Ägäis“ bezeichnet wird. Die antike Stadt wurde unter meterhohen Ascheschichten perfekt erhalten. In den teilweise dreistöckigen Häusern sieht man noch Haushaltsgeräte, Werkzeuge und sogar Möbel. Als Archäologen einst Hohlräume mit Gips ausgossen, kamen Betten, Tische und Treppen zum Vorschein.

Besonders faszinierend sind die sichtbaren Spuren der Erdbeben, die kurz vor dem großen Ausbruch die Gebäude beschädigten – eingefallene Wände, zerbrochene Stufen und verbogene Holzbalken erzählen vom Moment der Katastrophe.

Da an diesem Tag nur wenige Besucher vor Ort waren, konnten wir die Stätte in Ruhe erkunden und viele einzigartige Fotos machen.

Der Rote Strand und geologische Wunder bei Akrotiri

Nach dem Besuch wanderten wir weiter zum berühmten Roten Strand (Kokkini Paralia). Die markanten rotbraunen Felsen sind Überreste eines uralten vulkanischen Schlackenkegels, dessen Hälfte ins Meer abgerutscht ist. Der obere Teil besteht aus kompakten Lavaflüssen eines ehemaligen Lavasees.

Leider dröhnte ein Tourist aus Russland lautstark Sirtaki-Musik über den Strand – ein seltsamer Kontrast zur archaischen Landschaft. Trotzdem genossen wir die Kulisse: ein Naturwunder in intensiven Rot-, Schwarz- und Ockertönen.

Einige Mutige aus der Gruppe, darunter Michael und Elke, wagten sich in das etwa 18°C kühle Meerwasser. Man sollte jedoch beim Schwimmen Abstand zu den Felswänden halten, da akute Steinschlaggefahr besteht.

Aufstieg zum Dorf Akrotiri – Fossilien und Vulkanfelsen

Der Rückweg führte uns über einen steil ansteigenden Fahrweg hinauf zum Dorf Akrotiri. Am Wegrand sahen wir Kissenlaven, die einst am Meeresgrund erstarrten und durch tektonische Hebung an die Oberfläche gelangten.

Wie so oft konnte ich meinem Forscherblick nicht widerstehen und fand eine fossile Riesen-Auster – eines jener geologischen „Geschenke“, die ich auf meinen Wanderungen oft entdecke.

Entlang des Weges fanden sich außerdem Spuren alter hydrothermaler Quellen, die einst Quarzkristalle und Opal bildeten – faszinierende Zeugnisse vulkanischer Aktivität unter Wasser.

In der Nähe des Dorfrands von Akrotiri erreichten wir schließlich eine beeindruckende Felswand mit klar erkennbaren Schichten einer untermeerischen Schlammlawine, ein weiteres geologisches Highlight.

Zum Abschluss des Tages entspannten wir uns auf dem Dorfplatz von Akrotiri in einer kleinen Taverne, bevor uns Thomas mit seinem Bus abholte. Ein Tag voller Geschichte, Geologie und unvergesslicher Eindrücke!

Tag 4: Bootsfahrt mit Sostis zu den Vulkaninseln

Tag 4 – Bootsausflug zu den Vulkaninseln Nea Kameni & Palea Kameni

Ein unvergesslicher Tag mit Sostis – dem Einsiedler vom Vulkan

Der absolute Höhepunkt jeder Santorin-Reise ist seit vielen Jahren die Bootsfahrt mit meinem Freund Sostis, der als Einsiedler auf der kleinen Insel Palea Kameni mitten in der Kaldera lebte. Mit seinem markanten roten Boot hat er schon viele kleine Gruppen sicher zu den beiden Vulkaninseln Nea Kameni und Palea Kameni gebracht. Jede Fahrt mit ihm ist ein Erlebnis – manchmal klappt es aber nur, wenn es ihm gesundheitlich gut geht.

Auch diesmal holte er uns in der Amoudi-Bucht unterhalb von Ia (Oia) ab. Sein Boot war schon von weitem zu sehen, und so wussten wir schon oben in Oia, dass unser Abenteuer beginnen konnte.

Vulkaninsel Nea Kameni – im Herzen des Santorin-Vulkans

Unsere erste Station war die junge Vulkaninsel Nea Kameni, auf der sich zahlreiche Krater, Lavadome und Fumarolen befinden. Zu unserem Glück war an diesem Tag kaum etwas los – wir hatten den Vulkan fast für uns allein.

Wir wanderten an den Daphne-Kratern vorbei, hinauf zum Nautilus-Dom und schließlich zum Georgios-Krater, wo mehrere heiße Dampfquellen (Fumarolen) aktiv sind. Besonders auffällig waren die vielen Messgeräte und Sensoren, die in diesem Jahr um den Krater installiert waren – ein Zeichen, dass die Aktivität der Insel kontinuierlich überwacht wird.

Ein Fumarolenfeld, das ich seit Jahren beobachte, hat sich verändert: Etwa sieben Meter daneben entdeckte ich eine neue Dampfquelle – ein faszinierendes Zeichen fortlaufender vulkanischer Prozesse.

Bereits 2012 registrierte man eine Hebung der Insel um rund 9 Zentimeter, ausgelöst durch aufsteigendes Magma. Danach beruhigte sich die Lage, doch seismische Aktivität wird weiterhin im gesamten Archipel beobachtet – vor allem beim unterseeischen Vulkan Koloumbos. Wann und wo der nächste Ausbruch erfolgt, weiß niemand. Aber eines ist sicher: Santorin bleibt aktiv und spannend!

Vom westlichen Teil Nea Kamenis hatten wir einen spektakulären Blick auf Palea Kameni und das gesamte Santorin-Archipel. Das Wetter war so klar, dass man sogar die verschneiten Berge Kretas am Horizont sehen konnte – ein unvergesslicher Moment!

Thermalquellen und Besuch bei Sostis auf Palea Kameni

Danach brachte uns Sostis mit seinem Boot in die kleine Thermalbucht zwischen den beiden Vulkaninseln. Nur sein Boot passt genau hinein – größere Schiffe haben hier keinen Platz. Einige aus unserer Gruppe sprangen ins Wasser und schwammen zu den warmen Quellen, deren Temperatur zwischen 37 und 42 °C liegt. Im kühlen Aprilmeer fühlte es sich natürlich nicht allzu heiß an – aber die Erfahrung, in einem echten Vulkanmeer zu baden, war einzigartig.

Weiter ging es zur Nachbarinsel Palea Kameni, wo uns am kleinen Anleger schon Sostis’ Schäferhund Platon mit lauten Bellen begrüßte.

Sostis hat hier, mitten in der Wildnis, sein eigenes kleines Paradies geschaffen: ein selbst gebautes Haus, eine Picknick-Überdachung, Zisternen, Gärten und Ställe. Er lebt mit seinen Ziegen, Schweinen, Hühnern und seinem treuen Hund in völliger Abgeschiedenheit – ein echtes Beispiel für autarkes Leben im Einklang mit der Natur.

Über einen Pfad erreichten wir die kleine Bucht, die in Reiseprospekten oft als „Hot Springs“ angepriesen wird. Dort machten wir unser traditionelles Picknick: kretischer Zwieback (Dagos) mit Tomaten, Zwiebeln, Kapern und Käse, begleitet von Sostis’ hausgemachtem Likörwein – einem der besten, die Santorin zu bieten hat – und seinem selbstgemachten Käse.

Wanderung auf Palea Kameni – Natur, Geologie und Leben am Vulkan

Nach dem Essen führte ich einige Gäste zum grün schimmernden Kratersee und anschließend hinauf auf die Hochebene von Palea Kameni, wo Sostis seine Gemüsegärten bewirtschaftet. Dort wachsen Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat und Kräuter.

In der Nähe eines Felsens entdeckten wir zwei Mutterschweine mit über zwanzig verspielten Ferkeln, die fröhlich zwischen Lavablöcken umherliefen – ein wunderbares Schauspiel inmitten der kargen Vulkanlandschaft.

Auf der Hochebene findet man auch geologisch besonders seltene Skarn-Gesteine mit Granatkristallen. Sie entstehen, wenn Marmor durch die Hitze von Magma metamorph überprägt wird. Vermutlich hat ein urzeitlicher Vulkanausbruch diese Gesteine an die Oberfläche befördert.

Nachhaltigkeit statt Massentourismus

Palea Kameni ist eine der letzten ursprünglichen Inseln des Santorin-Archipels, ein Ort voller Ruhe und Authentizität. Oft frage ich mich, was aus dieser Insel wird, wenn Sostis eines Tages nicht mehr da ist. Wird sie dann dem Massentourismus geöffnet und verliert ihren Zauber?

Heute schon sieht man, wie große Ausflugsboote im Minutentakt in seine Bucht einfahren. Hunderte Touristen springen ins Wasser, schwimmen kurz zu den Quellen – und werden nach wenigen Minuten vom Signalhorn wieder zurückgerufen.

Hier wird deutlich: Der wahre Luxus ist nicht, auf einem Kreuzfahrtschiff zu reisen, sondern Santorin in Ruhe, mit Zeit und Respekt zu erleben. Mit Sostis haben wir etwas erlebt, das echter, nachhaltiger und menschlicher ist als jede Pauschaltour. Jeder Euro, den wir bei ihm lassen, hilft ihm, seine Insel zu erhalten und zu schützen.

Tag 5: Die antike Stadt Thera

Tag 5 – Die antike Stadt Thera

Eine Zeitreise auf den heiligen Berg von Santorin

Die Fahrt mit unserem Charterbus hinauf zur Akropolis von Alt-Thera war nichts für schwache Nerven! Über enge, steile Serpentinenstraßen schlängelten wir uns langsam den Berg hinauf. Zum Glück blieb uns der Gegenverkehr erspart – und doch mussten wir an manchen Kurven mehrmals rangieren, um weiterzukommen. Alle waren erleichtert, als wir schließlich oben ankamen – und froh, dass wir nicht dieselbe Strecke wieder hinunterfahren mussten!

Am Eingang des archäologischen Geländes kauften wir unsere Eintrittskarten und begannen den Aufstieg auf den historischen Hügel, der im 19. Jahrhundert vom deutschen Archäologen Friedrich Hiller von Gaertringen ausgegraben wurde. Wie an vielen Orten in Griechenland waren es auch hier deutsche Archäologen, die entscheidend dazu beitrugen, das antike Erbe Griechenlands zu erforschen und das nationale Bewusstsein des jungen Staates zu stärken.

Frühling auf dem heiligen Berg – Natur und Geschichte vereint

Schon der erste Halt war faszinierend: die kleine Kapelle Agios Stefanos, in deren Mauern zahlreiche antike Baureste verbaut wurden. Gleich daneben entdeckte ich am Felsen mehrere Orchideenarten, darunter die Ragwurz (Ophrys) und die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) – wahre Juwelen der Frühlingsflora auf Santorin.

Der Frühling ist die schönste Jahreszeit für eine Wanderung in Alt-Thera: Überall duften Kräuter, und der Kontrast zwischen den grünen Hängen, dem blauen Meer und den antiken Steinen ist überwältigend.

Das Artemidoros-Heiligtum – ein Fels voller Göttersymbole

Mein persönliches Highlight in Alt-Thera ist seit Jahren das Heiligtum des Artemidoros. Es lohnt sich, die Stätte am frühen Vormittag zu besuchen – nur dann sind die Felsreliefs optimal beleuchtet.

In den Felsen sind meisterhaft gearbeitete Darstellungen antiker Gottheiten zu erkennen:

Ein Delphin symbolisiert Poseidon, den Gott des Meeres,

ein Löwe steht für Apollon, den Gott des Lichts,

und ein Adler verkörpert Zeus, den obersten Gott des Olymps.

Daneben sieht man auch das Porträt des Stifters Artemidoros, der sich hier ein ewiges Denkmal gesetzt hat – ein faszinierendes Zeugnis antiker Frömmigkeit und Kunstfertigkeit.

Die Agorá, das Theater und der Blick über die Insel

Weiter oben erreichten wir die Überreste der Agorá, des antiken Marktplatzes, auf dem in jüngerer Zeit Saisonarbeiter mit modernen Rasenmähern „Ordnung“ schaffen wollten – leider auf Kosten der wunderschönen Frühlingsblumen, die sie als „Unkraut“ betrachteten. Wir hatten Glück, noch den ursprünglichen Anblick mit blühender Vegetation erleben und fotografieren zu können.

Ein besonderes Highlight war auch das kleine Theater von Alt-Thera, das sich in einer malerischen Felsenmulde befindet. Von hier aus sahen wir sogar Flugzeuge, die unter uns auf die Landebahn von Kamari zusteuerten – ein faszinierender Kontrast zwischen Antike und Moderne!

Auf den antiken Straßen ging es weiter zu phönizischen Resten, einer uralten Zisterne und mehreren Wohnhäusern. Die Ausblicke waren grandios: Unter uns lag das tiefblaue Meer bei Perissa, und in der Ferne konnten wir sogar die verschneiten Gipfel der Lefka Ori auf Kreta sehen – ein Anblick, den ich in über 20 Jahren noch nie so klar erlebt hatte!

Abstieg nach Perissa – das Ende einer eindrucksvollen Wanderung

Der Abstieg erfolgte über einen steinigen, aber gut begehbaren Wanderweg, der uns hinunter zum Strand von Perissa führte. Dort gönnten wir uns eine wohlverdiente Erfrischung, bevor uns Thomas mit unserem Charterbus wieder abholte.

Es war ein unvergesslicher Tag voller Geschichte, Archäologie und Natur, der uns die Faszination der antiken Welt und die Schönheit Santorins gleichermaßen erleben ließ.

Tag 6: Ausflug zur Plaka-Bucht bei Megalochori

Tag 6 – Ausflug zur Plaka-Bucht bei Megalochori

Erinnerung, Geologie und Nachdenklichkeit auf Santorin

Der freie Tag unserer Reise führte mich zu einem ganz besonderen Ort – der Plaka-Bucht bei Megalochori. Ich traf mich dort mit meinem früheren Geschäftspartner Tom Pfeiffer, mit dem ich 2005 das Reiseunternehmen VolcanoDiscovery gegründet hatte. Auch wenn wir heute getrennte Wege gehen, verbindet uns noch immer die gemeinsame Leidenschaft für Vulkane, Fotografie und geowissenschaftliche Reisen.

Die Plaka-Bucht ist für uns beide ein Ort voller Erinnerungen. Über viele Jahre haben wir hier mit unseren Gästen unvergessliche Momente erlebt. Noch bis zu seinem Tod lebte dort unten Parthenios Gavalas mit seiner Frau Katherina. Sie empfingen unsere Gruppen stets mit herzlicher Gastfreundschaft und hausgemachten santorinischen Spezialitäten – Käse, Oliven, Wein, Kapern und Fisch.

Heute ist von dieser Zeit leider nicht mehr viel übrig. Das kleine Badehaus, die Wohnräume und die Kapelle verfallen langsam, seit sich der Neffe von Parthenios, Kosmas, nicht mehr um den Ort kümmert. Doch trotz des Verfalls bleibt der Abstieg zur Bucht einer der schönsten Wege auf Santorin – ein Abstieg durch die geologische Geschichte der Insel bis hinunter zu ihren ältesten Gesteinsschichten.

Wanderung zur Plaka-Bucht – durch das Herz von Santorin

Der Weg beginnt oberhalb von Megalochori und führt über unzählige Kehren hinab. Schon nach wenigen Minuten erreicht man das berühmte „Herz von Santorin“, ein natürliches Fenster in der Felswand mit grandiosem Blick über die Kaldera – eines der beliebtesten Fotomotive der Insel.

Darunter liegt eine kleine Kapelle, und der Weg windet sich weiter steil bergab, vorbei an alten Terrassenmauern, wilden Kapernbüschen und duftenden Kräutern.

Unten angekommen, stößt man auf eine weitere Kapelle und eine Reihe tonnenförmiger Räume, die früher an Pilger und Wanderer vermietet wurden. Ganz in der Nähe befinden sich die Überreste des kleinen Thermalbads, das heute leider dem Verfall preisgegeben ist.

Früher haben wir mit unseren Gästen dort regelmäßig geputzt, aufgeräumt und gebadet. Das warme Wasser, das aus dem vulkanischen Untergrund sprudelte, sammelte sich in einem kleinen Naturbecken – ein einfaches, aber unvergessliches Erlebnis.

Vom Heilbad zur Ruine – verlorenes Kulturerbe

Heute ist von diesem kleinen Paradies kaum noch etwas übrig. Das einst gepflegte Häuschen mit seinem Vordach, unter dem Parthenios und Katherina unsere Gruppen bewirteten, ist zerfallen, der Putz blättert ab, und kein Schattenplatz lädt mehr zum Verweilen ein.

Tom und ich waren traurig und enttäuscht, dass sich niemand um diesen geschichtsträchtigen Ort kümmert. Wir würden ihn gern wieder instand setzen – das kleine Heilbad restaurieren, die Kapelle pflegen, den Weg sichern – aber leider scheitert das an der Gleichgültigkeit der Erben.

Die „neue Generation“ interessiert sich kaum für die Geschichte ihrer Vorfahren. Schneller Profit zählt mehr als kulturelles Erbe. Das spiegelt sich auf der ganzen Insel wider.

Gedanken zur Zukunft Santorins – zwischen Luxus und Verlust

Santorin ist heute ein Symbol für den Massentourismus in Griechenland. Überall entstehen neue Luxushotels, Infinity Pools und Betonkomplexe, die oft genau dort gebaut werden, wo einst Geschichte, Stille und Authentizität herrschten.

Wird auch der letzte Winkel der Insel zubetoniert?
Wird Santorin zu einem „Geldautomaten Griechenlands“, den man auspresst, bis nichts mehr bleibt?

Es gibt keinen Landschafts- oder Naturschutz, keine langfristige Vision für nachhaltigen Tourismus. Dabei reisen Menschen aus aller Welt genau wegen dessen hierher, was Griechenland eigentlich einzigartig macht: die unberührte Natur, das Licht, das Meer, die Kultur und die Geschichte.

Solange Menschen wie Tom und ich noch hier sind, werden wir weiterkommen – mit kleinen Gruppen, langsam, respektvoll und bewusst.
Denn echtes Reisen bedeutet, zu verstehen, zu bewahren und zu teilen.

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